Förderinitiative »Wissen für Entscheidungsprozesse –

Forschung zum Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft«

Kurzbeschreibung

Das Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Expertise und politischer Entscheidung scheint zunehmend paradox: Einerseits ist Politik aufgrund der voranschreitenden Verwissenschaftlichung vieler Lebensbereiche mehr und mehr auf wissenschaftliches, aber auch gesellschaftlich umsetzbares Wissen angewiesen. Andererseits sieht sich Wissenschaft vor dem Hintergrund inflationärer risikogesellschaftlicher Debatten einem Autoritäts-, Vertrauens- und Legitimationsverlust ausgesetzt. Die zunehmende Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen lässt auch Ungewissheiten und Nicht-Wissens-Bereiche, die mit diesem verbunden sind, immer deutlicher hervortreten. Dieser Trend stellt die Kommunikation zwischen den gesellschaftlichen Bereichen Politik und Wissenschaft vor neue Herausforderungen.

In diesem Projekt geht es darum, exemplarisch im Bereich Agrarpolitik / Agrarforschung nach neuen Ansätzen des Dialoges und der Schnittstellenkommunikation zu suchen. Die in Deutschland Anfang 2001 eingeläutete sog. »Agrarwende« strebt – gerade vor dem Hintergrund der Nebenfolgen bisheriger Forschungs- und Politikpraxis ( BSE , Maul- und Klauenseuche etc.) – einen Paradigmenwechsel innerhalb der Landwirtschaftspolitik hin zur stärkeren Betonung von Verbraucherinteressen und der Förderung nachhaltigerer Landbausysteme an. Die Frage ist, inwieweit die Formen der Wissenserzeugung und der Wissenskommunikation sich für diesen Paradigmenwechsel öffnen und zugleich stärker reflexive, dialogische und transdisziplinäre Herangehensweisen erprobt werden, die den mit wissenschaftlicher Expertise verbundenen Unsicherheiten, Folgeproblemen und Risiken gerecht werden.

Mithilfe von Dokumentenanalysen und Experteninterviews sollen folgende Problembereiche bearbeitet werden:

•  Die wissenschaftsinterne Verarbeitung der Skandaldiskurse und der »Agrarwende«-Programmatik in der Agrarforschung (Modul A): Dabei geht es um die Frage, inwieweit sich hier Umstrukturierungen (in Richtung höhere Risiko- und Folgensensibilität, Öffnung gegenüber gesellschaftlichen Problemwahrnehmungen) ergeben haben und welche – diskursiven und institutionellen – Faktoren und Akteurskonstellationen dies begünstigen.

•  Neue, reflexive Formen der Politikberatung bzw. der Schnittstellenkommunikation zwischen der Agrarforschung und dem politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess auf Bundesebene (Modul B) und auf Länderebene (Modul C). Im Mittelpunkt stehen Veränderungen des institutionellen Settings, der Akteursnetzwerke und der diskursiven Rahmung des agrarpolitischen Meinungsbildungssystems. Auf der Länderebene wird, mit stärkerem Fokus auf die Umsetzungsebene, ein Vergleich zweier Bundesländer und ihrer Kommunikationsmuster mit einerseits Forschung und andererseits nachgeordneten Behörden erfolgen.

•  Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse werden neue Wege der Kooperation zwischen Wissenschaft, Politik und den Fachbehörden ausgelotet, entsprechende Qualitätskriterien erarbeitet und darauf bezogene adressaten- und kontextspezifische Optimierungsmodelle entwickelt (Modul D).

Grafische Darstellung des Projektvorhabens:

Das Projekt wird von der Münchner Projektgruppe für Sozialforschung e.V. in Zusammenarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt Biotechnik, Gesellschaft und Umwelt der Universität Hamburg, dem Institut für Ökologischen Landbau an der Universität für Bodenkultur Wien und dem Interface Institut für Politikstudien Luzern durchgeführt.

Laufzeit: 1.04.2004 – 31.07.2007

 

Veranstaltungen

Neue Formen der Kommunikation zwischen (Agrar-) Wissenschaft und Politik – Auftaktworkshop des Projekts »Schnittstellenkommunikation«, 4./5.2.2005 in München (IBZ)
Weitere Informationen finden Sie im Konferenz-Flyer (pdf).

 

Literatur zur Thematik

- Kropp, Cordula / Wagner, Jost (2005): »›Agrarwende‹. Über den institutionellen Umgang mit den Folgeproblemen der Folgenreflexion im Agrarbereich.« In: Soziale Welt, Jg. 56 / H. 2, S. 159-182.

- Kropp, Cordula / Schiller, Frank / Wagner, Jost (Hg.) (2007): Die Zukunft der Wissenskommunikation. Perspektiven für einen reflexiven Dialog von Wissenschaft und Politik – am Beispiel des Agrarbereiches. Berlin. [im Erscheinen]

Impressum | Förderinitiative »Wissen für Entscheidungsprozesse« | Stand 29.06.2007