Kurzbeschreibung
Das Ziel dieses Projekts besteht darin, herauszufinden, ob und wie Evaluationen in hierarchisch gesteuerten Universitäten die Inhalte der Forschung verändern. Die Etablierung von Evaluationen ist ein Kernprozess des Übergangs zur hierarchischen Steuerung in Hochschulen, weil durch Evaluationen die Informationen über Untereinheiten beschafft werden können, die man für die Steuerung braucht. In Deutschland sind beide governance-Praktiken noch im Entstehen begriffen.
Zahlreiche Studien legen die Vermutung nahe, dass eine durchgängig auf Evaluationen basierende Forschungsfinanzierung Konsequenzen für die Inhalte der Forschung hat, dass also unter solchen Bedingungen anderes Wissen produziert wird. Eine Veränderung der Forschungsinhalte wäre eine gravierende nichtintendierte Folge dieses governance-Modells, das überwiegend auf die Förderung von Qualität zielt, die Forschung jedoch thematisch unverändert lassen soll.
Das Projekt soll dazu beitragen:
- Eine Typologie der institutionellen Mikroumwelten von Wissenschaftlern zu entwickeln, die durch die systematische Anwendung von evaluationsbasierter Forschungsfinanzierung auf allen Hierarchieebenen im Rahmen des Modells der hierarchischen Selbststeuerung entstehen
- Die Auswirkungen der Eigenschaften von Wissenschaftsgebieten auf die Handlungsspielräume der Wissenschaftler in diesen Mikroumwelten aufzuklären
- Bewusste und unbewusste Anpassungsstrategien der Wissenschaftler und daraus entstehende Veränderungen in der Wissensproduktion zu identifizieren und
- Aus diesen Elementen Kausalmechanismen der Beeinflussung von Forschungsinhalten durch evaluationsbasierte Forschungsfinanzierung zu generalisieren.
Die Untersuchung wird als eine Serie vergleichender Fallstudien durchgeführt, die jeweils eine Kombination quantitativer und qualitativer Methoden nutzen, um institutionelle Handlungsbedingungen, die Wahrnehmung dieser Handlungsbedingungen durch die Wissenschaftler und deren Reaktionen zu erheben.
Eine erste Serie von Fallstudien wird den Zusammenhang zwischen Situation, forschungsstrategischen Entscheidungen der Wissenschaftler und produziertem Wissen in ca. 30 australischen Forschergruppen auf der Basis von bibliometrischen Analysen, leitfadengestützten Interviews und Analysen von Kontextinformationen (Dokumenten) aufklären. Die Fallstudien werden auch einen Überblick über die Variation von governance-Systemen sowie Praktiken der Forschungsfinanzierung und von Reaktionen der Wissenschaftler darauf bieten. Hierfür werden Forschergruppen aus allen wichtigen Wissenschaftsgebieten und aus mehreren Universitäten ausgewählt, um einen repräsentativen Querschnitt von governance-Strukturen und Wissenschaftsgebieten zu erhalten.
Basierend auf diesen Fallstudien wird die Untersuchung in zwei Richtungen ausgeweitet. Erstens werden in Deutschland vergleichende Fallstudien nach dem in Australien erprobten analytischen Konzept durchgeführt. Zweitens werden die Befunde zu Veränderungen in der Wissensproduktion vertieft, indem in beiden Ländern ethnographische Beobachtungen adaptiven Verhaltens durchgeführt werden.
Laufzeit: 1.06.2004 – 31.12.2007
Literatur zur Thematik
- Gläser, Jochen / Laudel, Grit (2007): »Evaluation without Evaluators: The impact of funding formulae on Australian university research.« In: Richard Whitley / Kate Barker/ Jochen Gläser Hg.): The Changing Governance of the Sciences: The Advent of Research Evaluation Systems. Yearbook Sociology of the Sciences 2007, Dordrecht. [im Erscheinen]
- Lange, Stefan (2007): »The Basic State of Research in Germany: Conditions of Knowledge Production Pre-Evaluation.« In: Richard Whitley / Kate Barker/ Jochen Gläser Hg.): The Changing Governance of the Sciences: The Advent of Research Evaluation Systems. Yearbook Sociology of the Sciences 2007, Dordrecht. [im Erscheinen]
- Lange, Stefan / Schimank, Uwe (2007): »Zwischen Konvergenz und Pfadabhängigkeit: New Public Management in den Hochschulsystemen fünf ausgewählter OECD-Länder.« In: Katharina Holzinger / Helge Joergens/ Christoph Knill (Hg.): Transfer, Diffusion und Konvergenz von Politiken, Sonderheft der Politischen Vierteljahresschrift, Wiesbaden, S. 522-548.
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