Förderinitiative »Wissen für Entscheidungsprozesse –

Forschung zum Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft«

Kurzbeschreibung

Das Ziel des Projektes besteht darin, forschungspolitischen Steuerungsbedarf bezüglich der Mobilität von Wissenschaftlern zu identifizieren. Es soll die Frage beantworten, ob unter den gegenwärtigen Bedingungen die politisch gewünschten Effekte von Mobilität eintreten und ob die Mobilität nichtintendierte Nebeneffekte wie Brain drains hat.

Im Hochtechnologiebereich wird intersektorale Mobilität, d.h. der Wechsel von Wissenschaftlern zwischen öffentlich geförderter und privatwirtschaftlicher Forschung, als innovationsfördernd angesehen und deshalb unterstützt. Diese Mobilität ist aber in ihren Ursachen, Verläufen und Wirkungen weitgehend unerforscht. Intersektorale Mobilität unterscheidet sich von der klassischen interorganisationalen Mobilität von Wissenschaftlern dadurch, dass eine Bewegung in die Industrie hinein nicht zwangsläufig eine Bewegung aus der öffentlich geförderten Forschung heraus bedeutet, wenn z. B. Wissenschaftler der öffentlich geförderten Forschung Firmen gründen und in beiden Kontexten forschen. Das gilt auch für die Proportionen zwischen Mobilitätsströmen in beide Richtungen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es in der intersektoralen Mobilität ebenfalls Brain drains gibt, d.h. Spitzenwissenschaftler endgültig aus der öffentlich geförderten Forschung in die Industrie oder aus der Industrie in die öffentlich geförderte Forschung abwandern. Solche Brain drains können nicht a priori als negativ angesehen werden. Es muss zunächst einmal festgestellt werden, wer warum zwischen öffentlich geförderter Forschung und Industrie wechselt und welche Effekte diese Mobilität in beiden Sektoren hat.

Die Untersuchung erfolgt im Bereich Biomedizin/Biotechnologie, weil dieses Gebiet als paradigmatisch für die künftige Dynamik nationaler Innovationssysteme gelten kann. Die Integration von Grundlagenforschung und Innovationen und das zunehmende Agieren von Unternehmen in der Grundlagenforschung machen dieselbe Personengruppe zur wichtigsten Ressource der beiden Handlungs­systeme Wissenschaft und Wirtschaft.

Es ist bislang nicht klar, welchen Beitrag die intersektorale Mobilität von Wissenschaftlern zum Wissens- und Technologietransfer in Innovationsprozessen leistet. Diesen Beitrag inhaltlich zu bestimmen ist deshalb ein erstes wichtiges Ziel dieses Projekts. Insbesondere müssen folgende Fragen beantwortet werden:

Ein wichtiges Ziel der Untersuchung besteht darin, die Ursachen intersektoraler Mobilität zu identifizieren. Zwar ist mittlerweile bekannt, dass Wissenschaftler in der biomedizinischen Forschung häufig erwarten, Profit aus ihren Forschungsergebnissen zu ziehen (Etzkowitz 1998). Es kann aber nicht a priori davon ausgegangen werden, dass dies die einzige Ursache für intersektorale Mobilität ist. Auch die Wirkungen der intersektoralen Mobilität sollen aufgeklärt werden. Es kann vermutet werden, dass die Bedeutung intersektoraler Mobilität im Innovationsprozess über den Transfer impliziten Wissens hinausreicht. Deshalb muss allgemeiner gefragt werden:

Schließlich ist zu prüfen, ob es sich bei der intersektoralen Mobilität tatsächlich um einen ,brain exchange' handelt oder ob es Asymmetrien, d.h. primär Bewegungen aus einem Sektor in den anderen gibt. Die Fragen, die die Untersuchungen zur intersektoralen und internationalen Mobilität miteinander verzahnen, lauten also:

Die Untersuchung soll Ursachen, Ausmaß, Richtungen und Wirkungen der intersektoralen Mobilität von Wissenschaftlern in der Biomedizin/Biotechnologie ermitteln. Um die genannten Fragen beantworten zu können, ist eine breite Erhebung im Feld nötig. Voraus­setzung dafür ist die Identifizierung der relevanten Akteure, d.h. der wichtigsten Wissens­produzenten im Feld, die zugleich die Einrichtungen sind, zwischen denen intersektorale Mobilität wahrscheinlich auftritt. Die Identifizierung von Wissenschaftlern, die zwischen öffentlich geförderter Forschung und der Wirtschaft gewechselt haben, erfolgt durch eine schrittweise Eingrenzung: von der Abgrenzung des Feldes, über relevante Akteure und Kooperationen bis hin zu einer Befragung. Ursachen, Bedingungen und Wirkungen der Mobilität werden in schriftlichen und mündlichen Befragungen ermittelt. Veränderungen in der Wissensproduktion werden gleichfalls über Befragungen und über bibliometrische Methoden ermittelt.

 

Laufzeit: 1.05.2004 – 31.03.2007

 

Literatur zur Thematik

- Etzkowitz, Henry (1998): »The Norms of Entrepreneurial Science: Cognitive Effects of the New University-industry Linkages.« In: Research Policy, Jg. 27, S. 823-833.

- European Commission (Hg.) (2003): Structuring the European Research Area. Human Resources and Mobility. Marie Curie Actions. Work Programme. Brussels.

Impressum | Förderinitiative »Wissen für Entscheidungsprozesse« | Stand 29.06.2007